Ich erinnere mich noch an den Moment wo ich das erste Mal wirklich verstanden habe was Zinseszins bedeutet. Nicht als Formel sondern als Zahl. Ich hatte 200 Euro monatlich in meinen ETF-Sparplan eingezahlt und zum ersten Mal nachgerechnet was das nach 30 Jahren sein könnte. Das Ergebnis hat mich überrascht, weil der Großteil gar nicht aus meinen Einzahlungen stammte.

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Der Unterschied der alles verändert

Beim einfachen Zins bekommst du jedes Jahr denselben Betrag gutgeschrieben, immer berechnet auf dein ursprüngliches Kapital. Beim Zinseszins werden die Zinsen dem Kapital hinzugefügt und im nächsten Jahr selbst verzinst. Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Über Zeit ist es ein riesiger.

10.000 Euro bei 5 Prozent über verschiedene Zeiträume

Einfacher Zins nach 10 Jahren: 15.000 Euro

Zinseszins nach 10 Jahren: 16.289 Euro

Einfacher Zins nach 30 Jahren: 25.000 Euro

Zinseszins nach 30 Jahren: 43.219 Euro

Derselbe Zinssatz, derselbe Betrag, dieselbe Zeit. Nur ein anderes Prinzip.

Die Formel für alle die es genau wissen wollen

Kₙ = K₀ × (1 + r)ⁿ

K₀ ist das Startkapital, r der Zinssatz als Dezimalzahl und n die Laufzeit in Jahren. Für das Beispiel oben: 10.000 × (1,05)¹⁰ = 16.289 Euro. Wer das nicht ausrechnen möchte nutzt einfach den Zinsrechner auf Zinsora.

Die Regel der 72

Es gibt eine praktische Faustformel um schnell zu berechnen wie lange es dauert bis sich dein Kapital verdoppelt. 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt die ungefähren Jahre bis zur Verdopplung.

Verdopplungszeit im Überblick

Bei 4 Prozent Rendite: 72 geteilt durch 4 ergibt 18 Jahre.

Bei 6 Prozent Rendite: 72 geteilt durch 6 ergibt 12 Jahre.

Bei 8 Prozent Rendite: 72 geteilt durch 8 ergibt 9 Jahre.

Schon 2 Prozent mehr Rendite bedeuten 9 Jahre früher das doppelte Kapital. Das ist der Grund warum ETF-Kosten so wichtig sind.

Was das in der Praxis bedeutet

Der Zinseszins entfaltet seine Wirkung vor allem bei thesaurierenden ETFs, also solchen die Erträge automatisch reinvestieren statt sie auszuschütten. Das Kapital wächst dadurch ohne dass man selbst eingreifen muss.

200 Euro monatlich bei 7 Prozent Rendite über 30 Jahre: Die eigenen Einzahlungen summieren sich auf 72.000 Euro. Das Endkapital liegt bei rund 244.000 Euro. Der Zinseszins hat also rund 172.000 Euro beigesteuert, mehr als das Doppelte der eigenen Einzahlungen. Das war der Moment wo mir klar wurde warum früh anfangen wichtiger ist als die Höhe der monatlichen Rate.

Zeit schlägt fast alles andere

Die wichtigste Variable beim Zinseszins ist weder der Zinssatz noch die Sparrate. Es ist die Zeit. Wer mit 25 anfängt statt mit 35 hat beim Rentenantritt bei sonst gleichen Bedingungen oft das Doppelte. Nicht weil er mehr eingezahlt hat sondern weil der Zinseszins länger arbeiten konnte.

Was ich mir gewünscht hätte früher zu wissen: Den Zinseszins-Effekt versteht man erst wenn man ihn konkret durchrechnet. Das ist einer der Gründe warum ich Zinsora gebaut habe, damit dieser Moment früher kommt als bei mir.

Selbst ausprobieren

Der Zinsrechner auf Zinsora zeigt dir den Unterschied zwischen einfachem Zins und Zinseszins für dein Startkapital, deinen Zinssatz und deine Laufzeit. Es lohnt sich die Zahlen einmal selbst zu sehen.

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Quellen & Hinweise

  • Historische MSCI World Rendite: MSCI Inc., MSCI World Index Performance (msci.com)
  • Zinseszins-Formel: Standardlehrstoff der Finanzmathematik
Hinweis: Alle Angaben sind unverbindlich und dienen ausschließlich zur Orientierung. Sie ersetzen keine professionelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung.